„Der nachfolgende Film ist urheberrechtlich geschützt. Das Mitschneiden von Bild oder Ton während der Kinovorstellung ist eine strafbare Urheberrechtsverletzung. Auch jeder Versuch ­ wird zur Anzeige gebracht.“

Diesen Hinweis kennt wohl jeder Kinobesucher in Deutschland. Er gehört sozusagen schon fast zu einem Kinobesuch dazu. Die Filmbranche versucht so das Phänomen der Filmpiraterie im Kino einzudämmen. Noch in den Neunzigern war dies kein Problem, denn die Filmpiraterie ist ein vergleichsweise neues Phänomen. So nahmen zum Beispiel durch die Entwicklung des Internets die Raubkopien enorm zu. Man geht davon aus, dass 90 Prozent der Urheberrechtsverletzungen heute im Internet stattfinden.

Geschichte

Der Ursprung der Piraterie findet sich im Erscheinen von Napster 1999. Das Programm legte den Grundstein für die heute berüchtigten Tauschbörsen, in denen täglich riesige Datenmengen getauscht werden.

Bei Napster gab es zunächst nur die Möglichkeit Musik zu tauschen. Es dauerte 6 Monate, bis die Musikindustrie auf diesen Trend aufmerksam wurde und Napster verklagte. Erst 2 Jahre später wurde eine Schließung des Programmes erzwungen. Nichtsdestotrotz haben findige Programmierer auf Basis von Napster diverse weitere Tauschbörsen ins Leben gerufen, darunter Programme wie Kazaa und Limewire. Diese Netzwerke werden Peer-to-peer Netzwerke genannt, da die Benutzer der Tauschbörsen (Peer = Kollege im Englischen) sich gegenseitig Dateien bereitstellen, welche durch das Programm kategorisiert werden und schließlich nachgefragt bzw. heruntergeladen werden können.

Dieser Trend herrschte lange. Es wurden nicht nur Musik, sondern auch vor allem Filme, Serien und Programme getauscht, meist mit illegalen „cracks“, also Programme, die den Kopierschutz oder die Lizensierung der Programme umgehen können, sodass sie für jedermann frei verfügbar sind.

Die Filmindustrie konnte nicht so recht dagegen vorgehen, da die Tauschbörsen selbst nicht Illegal sind. Es muss gegen die Nutzer selbst vorgegangen werden, was zum Teil schwer ist, weil der Datenschutz es der Industrie schwer macht, an die persönlichen Daten der Nutzer zu kommen, sodass eine Klage eingeleitet werden kann. Die Konzerne wehrten sich zum Teil durch Kampagnen, die den Tauschbörsennutzer / Raubkopierer stigmatisieren und als Verbrecher einstuften. Zudem bringen sie selbst erstellte Dateien in Umlauf, die den gleichen Namen und die gleiche Größe besitzen wie die echten Filmdateien, jedoch nur einen leeren schwarzen Bildschirm enthalten. Es wurde zunehmend schwerer das zu finden, wonach man suchte.

Das Katz und Mausspiel vollzog sich immer weiter, so haben sich die Hacker organisiert und diverse Seiten gegründet. Auf diesen Seiten konnte man sich die Links für von den Hackern selbst hochgeladenen Dateien besorgen und somit immer die richtige Datei finden.

Die Fahndung gegen Raubkopierer hörte jedoch nicht auf, neue Gesetze erleichterten die Arbeit der Ermittler und so konnten sie Provider mittlerweile zur Herausgabe der IP-Adresse ihrer Nutzer zwingen, was als Beweis zum Überführen von Raubkopierern reichte.

Um es den Ermittlern zu erschweren, wurden neue Arten des Tauschens gegründet, zum Beispiel sogenannte Torrents. Das sind Dateien die einen Code enthalten, der nur von gewissen Programmen gelesen werden kann. Diese Programme wie zum Beispiel Azureus oder BitTorrent können mithilfe dieses Codes eine Datei im Internet finden und herunterladen. Meist liegen diese Dateien auf Servern im Ausland, die relativ rechtsfrei sind (Seychellen, Sri Lanka etc.).

Heutzutage werden die meisten Filme für den privaten Konsum nicht mehr heruntergeladen, sondern gestreamt. Auf gewissen Internetseiten wie kino.to hat man eine große Auswahl an Filmen und kann sie gemütlich im Browser schauen.

Betreiber solcher Seiten decken ihre Kosten durch Spenden und Werbung, welche meist erotischer Natur ist.

Das Streamen ist eine rechtliche Grauzone, deshalb kann gegen diese Betreiber noch nicht richtig vorgegangen werden. Jedoch ist es Musikkonzernen gelungen mit YouTube Deals abzuschließen, die das zeigen von urheberrechtlich geschütztem Material verbieten.

Auswirkungen auf die Filmbranche

Anfangs wurde oft behauptet, dass die Raubkopiererei der Filmbranche Umsatzeinbußen in Höhe von bis zu 50% einbringen kann. Diese Studien wurden jedoch von Instituten erstellt, die von der Filmindustrie beauftragt wurden.

Unabhängige Marktforschungsinstitute haben jedoch Prozentwerte im einstelligen Bereich feststellen können. Mehr noch, sie konnten sogar positive Effekte mit Raubkopiererei in Verbindung bringen. So wurde in  2006 von der deutschen Filmindustrie behauptet, sie hätte über eine Milliarde Euro Umsatzverluste erlitten, unabhängige Meinungen schätzen den Ausfall jedoch auf 90-120 Millionen Euro.

Die folgende Abbildung zeigt eine Befragung von wichtigen Distributoren, Produzenten und anderen Mitarbeitern der Filmbranche, die ihre Meinung zu den Auswirkungen von Filmpiraterie ausdrücken.

Es lässt sich ablesen, dass der Zerfall des Filmmarktes, welcher Anfangs oft prognostiziert wurde, als eher unwahrscheinlich angesehen wird. Ebenfalls wenige Menschen sehen die Qualität zukünftiger Produktionen bedroht. Beim Umsatz sehen jedoch die meisten die größte Gefahr. Und ein positiver Effekt, der ebenfalls von der Mehrheit geglaubt wird: Die Bekanntheitssteigerung der Filme.

In den folgenden Absätzen soll zusammengefasst gesagt werden, wie nun die negativen sowie positiven Auswirkungen möglicherweise sein könnten.

Negative Effekte:

Es fallen zusätzliche Kosten für Präventivkampagnen und Prozesskosten an. Die Filmindustrie versucht durch Werbekampagnen, die an die Moral der Raubkopierer appellieren, Menschen zum Umdenken zu bewegen. Zusätzlich müssen der Kopierschutz weiterentwickelt, sowie Rechtsanwälte bezahlt werden.

Indirekte und direkte Umsatzverluste wirken sich ebenfalls auf die Kassen der Studios aus. Dies könnte einen negativen Effekt auf die Qualität der Filme haben, da es sich teilweise ökonomisch nicht mehr lohnen würde, hohe Kosten zu verursachen, wenn weniger zurückfließt.

Positive Effekte:

Es kann durchaus eine Bekanntheitssteigerung stattfinden. Studios können sich dadurch Marketingkosten sparen, da durch das Internet die Verbreitung des „word of mouth“, also der Mundpropaganda deutlich zunimmt. Dieser Punkt hebt für mich die Behauptung auf, es sollten keine guten Filme mehr produziert werden. Denn ein Kinobesuch ist auch immer ein soziales Gefühl, welches nicht durch eine Raubkopie oder eine DVD substituiert werden kann. Als Beispiel möchte ich hier den Film „Avatar“ anführen, welcher mehr Geld eingespielt hat als Titanic (1997) und das im Zeitalter der Filmpiraterie. Es ist einfach ein guter Film mit sehr visuellen Effekten, die man nicht auf einem PC Monitor oder Fernseher genießen könnte. Hier liegt auch die Chance mit Merchandising Artikeln anzusetzen – Denn eine hohe Bekanntheit kann durchaus andere Verdienstkanäle aktivieren. Siehe etliche Disneyfilme, die durch dazugehöriges Merchandising teilweise mehr und länger verdienen als durch das Kino oder die DVD Verkäufe.

Alles in allem halte ich Filmpiraterie für ein ärgerliches Phänomen aus Sicht der Filmindustrie, jedoch sollte man nicht nur die Gefahren sehen, sondern auch die Chancen nutzen, die sich daraus ergeben können, solange man die Piraterie nicht stoppen kann.

Quellen:

Film und Internet, über die Nutzung von Film- und Videocontent im Web 2.0, Oliver Langewitz, Göttingen 2008, 1. Aufl.

Nikolai Dördrechter, Piraterie in der Filmindustrie, 1. Aufl., Wiesbaden 2006

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Kommentare zu: "Die Geschichte der Filmpiraterie und ihre Auswirkungen auf die Kino- und Filmbranche" (2)

  1. yuliyap schrieb:

    Genau wie Nora denke ich auch, dass die Download-Piraterie auf die Kinobranche fast keinen Einfluss nehmen kann. Das Kino ist ein Erlebnis. Ein Actionfilm auf einer Leinwand kann man nicht mit einem heruntergeladenem Film in zweifelhafter Qualität vergleichen.
    Was wirklich beeinträchtigt wird ist der verkauf von DVDs. Aber die Branche versucht sich zu beschützen. Die DVDs in Blueray Qualität sind schwerer zu downloaden (wegen der Größe). Außerdem wäre eine Variante für die Filmindustrie ähnliche Verschlüsselungsmöglichkeiten zu nutzen, wie die Spieleproduzenten.

  2. danielmarko schrieb:

    In den 90ern konnte man noch diese Piraterien nicht so schnell verbreiten, wie Heutzutage durchs Internet. So wurde damals nur ein kleiner Kreis angesprochen, der sich auf (Schwarz) Märkten tümmelte. Dank des Internets kann man es an die Breite Masse anbieten. Ich gehe ungern ins Kino, weil mich die kleinen Kinder immer nerven, die um mich herum sitzen und den Film komentieren müssen. Dafür kaufe ichmir meist die DVD’s, wenn sie rauskommen.
    Was ich allerdings nicht verstehe, warum im Internet neue Kinofilme angeboten werden? Welchen nutzen haben die Uploader?
    Und warum ist das Downloaden bzw. beim Download anderen zu Verfügung stellen Strafbar, das Streamen ( im Internet gucken) nicht? Im Endeffekt schädige ich doch gleichermaßen der Filmindustrie, denn ich schaue den teuer produzierten Film for Free.

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