Heute möchte ich euch über die Biografie des dänischen Unternehmers Morten Lund erzählen. Der Mit-Gründer von Skype revolutionierte mit seinen Ideen nicht nur die Telefonie, sondern half ebenfalls wesentlich bei, neue Anstöße in der Internetwelt wie die Tauschbörse Kazaa durchzubringen. Eine Persönlichkeit, die durch Höhen und Tiefen in der Unternehmerwelt ging, dabei viel nicht nur beruflich, sondern auch privat lernte und letztendlich, wie er von sich selbst behauptet, zum „besseren Menschen“ geworden ist.

Morten Lund, heute 38 Jahre alt, gründete seine erste Firma im Alter von 19, wo er T-Shirts und Kappen mit Unilogos produzierte und vertrieb. Danach folgten Neo Ideo, eine Internetwerbeagentur, Bullguard, eins der führenden Antivirenprogramme sowie Skype, der Internettelefondienst, der die heutige Telefonie revolutionierte – man konnte ab dieser Gründung weltweit kostenlos und per Video über das Internet miteinander telefonieren. Neo Ideo verkaufte Morten Lund zusammen mit drei weiteren Geschäftspartnern für 4 Mio. Euro. Das Erfolgskonzept Skype wurde von Ebay für sage und schreibe 2,1 Mrd. Euro gekauft. Damit hatte Morten Lund mehr als ausreichend Startkapital, um weitere Projekte anzufangen.

Er hatte begonnen, sein verdientes Geld in diverse neue Startups von anderen Gründern zu stecken. 80 waren es, die in Internet, Telekommunikation, Energie und Gesundheit als Branchen beheimatet waren. In alles, was ihm „fucking smart“ (Lund zitiert nach Götsch, S. 51) erschien, pumpte er auf aggressive Art und Weise sein Geld, mit dem Glauben und der Hoffnung, das jene Neugründungen ebenfalls so erfolgreich ausfallen würden, wie seine eigenen vorigen Erfolgsrezepte. Bei all dem Enthusiasmus für die Unternehmerwelt und das Investieren verlor Morten Lund „leicht“ den Überblick. Der Venture-Kapitalists konnte zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr unterscheiden, wen er kannte und wem davon er Geld gegeben hat. Wenn er jemanden traf und ihn mochte und clever fand, überwies er ihm am nächsten Tag Geld (vgl. Business Punk 2_10, S. 51). „Nenn mir die letzten 100 Bücher, die du gelesen hast“ (Lund zitiert nach Götsch, S. 51), bezog Morten Lund zu seiner Erklärung zu diesem Thema Stellung. Ein alter Freund Morten Lunds, ebenfalls Seriengründer, mit dem er sich einmal zum Essen im Restaurant verabredete, berichtete, Morten Lund habe ihn gefragt, woher sie sich kennen: „Du hast mich doch bestimmt auch nach Geld gefragt.“ (Lund zitiert nach Götsch, S. 51), war Lunds Vermutung. „Nein, nein, ich habe nie gefragt.“ (zitiert nach Götsch, S. 51), erwiderte der Freund.

Somit hat sich der Status Morten Lunds als bekanntester Internetunternehmer und Seed-Investor Europas etabliert. Immer größer werdende Deals, immer schnellere Einsätze, und das Lebensmotto: „If everything seems under control, you’re just not going fast enough“ (Mario Adretti zitiert nach Götsch, S. 51).

Seine damals letzte und den Größenwahn beendende Investition war die in die dänische Gratiszeitung „Nyhedsavisen“ im Januar 2008. Das auf ohnehin auf wackligen Beinen stehende Blatt hat auch nach der großzügigen Beteiligung Morten Lunds von 51% und den großen Finanzspritzen die damalige Medienkrise nicht überleben können und Morten Lund stand nach Schließung der Unternehmens im August 2008 mit 60-70 Mio. Euro Schulden da.

Morten Lund galt zu dieser Zeit zwar als Guru im Unternehmerkreis, den viele Neugründer um Rat fragten, doch machte er den Fehler, dass er eben nicht den erwünschten Rat gab bezüglich wie man Unternehmen führen kann, auf welches nächste Level man seine Idee bringen kann, usw. Er pumpte stattdessen nur Bares in die Neugründungen und hat sich nicht weiter mit den innovativen Ideen auseinandergesetzt und somit seine Anlagen verpulvert.

Nicht nur das Ende seines Unternehmertums haben Morten Lund sehr zugesetzt, als die Richter ihn am 13. Januar 2009 für insolvent erklärten, sondern auch die öffentlichen Beschimpfungen als „Jobkiller“ in der Presse sowie die gescheiterte Ehe.

Das große Versagen und die Pleite sieht Morten Lund aus heutiger Sicht jedoch als Phase und sehr große Lehre, die zwar schmerzhaft aber gesund war (vgl. Business Punk 2_10, S. 54).

Heute arbeitet der einst groß gefeierte Internetunternehmer an seinem Comeback und hält dabei eine persönliche Regel fest vor Augen: nur noch 2 Dinge gleichzeitig tun (vgl. Business Punk 2_10, S. 54).

Diese zwei Dinge sehen folgendermaßen aus:

1. Tradeshift. Ein innovatives Geschäftsmodell, das Rechnungen auf Papier in Zukunft überflüssig machen soll. Dieses Modell wird bereits von dänischen Behörden genutzt und das Branchenblog Techcrunch schreibt über diese Neuerfindung: „Eines der potenziell zerstörerischsten Startups der vergangenen Jahre.“ (zitiert nach Götsch, S. 51). Gerüchte besagen, dass auch große Partner Interesse an diesem Startup zeigen und für 60-75 Mio. Euro in dieses Unternehmen einsteigen wollen.

2. Everbread. Eine Flugsuchmaschine mit neuen Algorithmus, die sowohl Dienstleister für Airlines als auch für Reiseveranstalter sein will.

Dabei redet und schreibt Morten Lund sehr viel über seine neuen Projekte. Sein eigener Blog Lundxy.com gilt hier als Informations- und Marketingplattform über seine Geschäfte – und sein Leben. „Das sind meine Babys. Ich konzentriere ich darauf, bis die Gründer kotzen.“ (Lund zitiert nach Götsch, S. 54), sagt Lund über über seine neuen Investitionen. Seine Freundin Josephine erzählt dazu: „Er schreibt über seine Geschäfte und sorgt so für Buzz. Diese Taktik ist der Schlüssel zu seinem Erfolg.“ (zitiert nach Götsch, S. 53). Tatsächlich scheint Morten Lund der geborene Verkäufer zu sein und sieht seine Geschäftspraktika auch als große Marketing-Initiativen. Morten Lund sei „ein Typ wie ein Virus – ansteckend“ (zitiert nach Götsch, S. 54), beschreibt sein bester Freund Alex Staun-Rechnitzer. Das funktioniere bei jedem: den Banken, den Richtern, den Anwälten (vgl. Business Punk 2_10, S. 54).

„Morten Lund makes it happen again. This guy has some balls.“ (zitiert nach Götsch, S. 51), kommentierte ein Leser einen Artikel über Lund. „Morten Lund ist zurück.“, bestätigte auch Rob Stavis, ein VC-Investor Morten Lunds. Der wieder Auferstandene wird abermals im Netz groß gefeiert.

Wie jeder erfolgreiche Serienunternehmer liebt Morten Lund das Risiko und investiert somit wieder in neue Ideen und in seine Zukunft. Er hat sich von seinem tiefen Fall in der Unternehmerbranche nicht abschrecken lassen. Dieses Mal ist er jedoch um vieles erfahrener und klüger: Er investiert fokussierter, finanziell disziplinierter und weniger gehetzt (vgl. Business Punk 2_10, S. 54).

Heute berät Morten Lund neue Unternehmensgründer nur und hält sich an sein Prinzip „beraten – ohne Gegenleistung“, obwohl sich auch heute viele Möglichkeiten zur Beteiligung für ihn bieten. „Das ist der neue Morten. Absolut nicht involviert, aber total involviert.“ (zitiert nach Götsch, S. 54), bestätigt dazu sein Freund Thomas Morten Lunds neues und besseres Dasein.

Literaturverzeichnis:

Götsch, Antonia (2010): Dieser Mann versenkte 60 Millionen Euro…jetzt greift er wieder an. – In: Business Punk, 2010, Ausgabe 2_10, S. 51-54.

Lund, Morten (2010): LUND XY. In Internet: lundxy.com (zuletzt besucht am 12.12.2010).

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Kommentare zu: "Morten Lund – vom bekanntesten Internetunternehmer Europas, über den tief Gefallenen, bis zum groß Auferstandenen" (2)

  1. Und hier möchte ich euch noch ein Video von Morten Lund zeigen, das einen Eindruck von diesem „edgy entrepreneur“ gibt. Viel Spaß & neue Anregungen beim Schauen!


    –>Anschauen!

  2. SvenRipsas schrieb:

    Das ist ein spannender, aber doch lediglich aus der BusinessPunk Sicht zitierender Bericht. Somit ein guter Ansatz, aber da geht mehr, z. B. mehr eigene Recherchen und Verknüpfung mit Management- und Entrepreneurshipliteratur. Gute und engagierte Schreibweise!

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