Dies müssen auch die Samwer Brüder feststellen. Ganz frei nach der Capital Venture Faustregel: Mach zehn Investments, drei davon floppen, fünf dümpeln vor sich hin und zwei müssen dran glauben.

In den letzten Wochen, ist hier im Blog schon einige male der Name Samwer gefallen. Diese Woche wollen wir uns zu zweit, näher mit den Samwer Brüdern befassen, bzw. mit ihren gescheiterten Geschäftsmodellen. Denn aus den Fehlern anderer, kann man ja bekanntlich lernen. Wir haben uns dazu vier Geschäftsmodelle ausgesucht und werden darlegen, warum diese auf dem deutschen Markt gescheitert sind.

Strategie der Rocket Internet

Die Strategie von Samwer Rocket Internet scheint offensichtlich: Es werden mit der eigenen hochprofessionellen Gründungsmaschinerie Copy Cats am Fließband produziert. Dabei ist leider nicht jede Kopie die im Ausland glänzt in Deutschland ein Erfolg.

Wie im Falle von Dreambookers. Dieses Portal ging schon zwei Monate nach dem Start Offline. Die Samwer Brüder selektieren nach den Starts der Copy Cats schnell, welches Geschäftsmodell sich rentieren könnte oder nicht. Stimmt die Quote nicht, wird nicht lange gefackelt. Es werden keine weiteren Gelder mehr in die Projekte gesteckt und somit ist das Ende besiegelt.

Einen großen Einfluss auf die Entscheidungen der Samwer Brüder, hat die Exit Strategie. Eine Finanzierung mit Capital Venture beläuft sich in der Regel auf drei bis zehn Jahre. Dabei wird im Normalfall auf eine laufende Verzinsung verzichtet. Vielmehr wird der Gewinn durch die Veräußerung der Beteiligung am Ende der Investitionsphase realisiert.

Das Bedeutet: Die Samwer Brüder stecken nur Geld in Investitionen, die sich auch langfristig rentieren und zum Zeitpunkt des Exits einen möglichst hohen Gewinn abwerfen. Auf die Möglichkeiten der Exit- Strategien wird einer von uns, nächste Woche noch genauer eingehen. Beispiele für Samwer Exits sind: StudiVz, CityDeal (verkauft an Groupon) oder teilweise eDarling.

Die Klone der Samwer Brüder

Hier ein kleiner Auszug, aus den Geschäftsmodellen der Samwer Brüder.

Copycat Vorbild Status
Billpay Billmelater mäßige Performance
CityDeal Groupon verkauft an Groupon
DealStreet Swoopo offline
Dreambookers Voyage Prive offline
eCareer Experteer finanziert, strauchelnd
eDarling Parship, eHarmony stufenweiser Exit
GratisPay Offerpal, Super Rewards verkauft an SponsorPay
Kontoblick Mint mäßige Performance
Netzoptiker Glasses Direct mäßige Performance
Mybrands Dress-for-Less offline
Panfu Club Penguin gute Performance
Plinga Playfish, Zynga mäßige Performance
Zalando Zappos Top-Performance

Quelle: www.grünerszene.de

DealStreet

DealStreet bot Live-Shopping mit einem Entertainment-Auktionsverfahren an, ähnlich dem Prinzip von Ebay, bei dem Nutzer Gebote für Produkte abgeben konnten. Bei einer Produkt-Auktion stieg durch jedes abgegebene Gebot der Gesamtpreis des Produktes um einen kleineren Betrag, als für das Gebot bezahlt wurde. Gleichzeitig verlängerte sich automatisch die Dauer der Auktion und der letztbietende Teilnehmer erhielt den Zuschlag. Die anderen Mitglieder hatten die Möglichkeit, auch bei Nicht-Erfolg bei der Bieterrunde den Artikel für den normalen Preisdirekt beim Hersteller zu beziehen. (vgl. http://www.gründeszene.de)

Möchte man das DealStreet-Modell halbwegs ehrlich führen, was bedeutet: keine Manipulation der Auktionen und  faire Direktkaufpreise, wird es schwer sein sich gegen die Konkurrenten durchzusetzen. Hinzu kommt, dass der Markt begrenzt ist und dessen Nutzer keine hohe Kundentreue aufweisen.

DealStreet wurde aufgrund geschäftsmodellinhärenter Probleme im Mai 2010 abgeschaltet.

eCareer

Die Jobbörse ecareer wurde 2009  gegründet. ecareer vermittelte Fach und Führungskräfte mit fünf bis zehnjähriger Erfahrung und ab 50.000 Euro Jahresgehalt. Damit grenzte die Jobbörse sich stark von den gewöhnlichen Jobbörsen wie  Stepstone, JobScout24 und monster.de ab. Soweit so Gut. Leider hatte eCareer auch einen Konkurrenten auf Augenhöhe, der bereits 2005 gegründet wurde: Experteer.

Experteer vermittelt Personal ab 60.000 Euro Jahresgehalt. Mittlerweile hat das Portal mehr als 1 Mio. Nutzer und expandierte bereits nach Großbritannien, Belgien, Frankreich in die Schweiz und Österreich.

Der Markt der Jobvermittlung im hochpreisigen Segment ist heiß umkämpft.  ECareer konnte sich gegen die etablierte Version von Experteer nicht durchsetzen und wurde im August 2010 eingestellt.

eDarling

Abgekupfert von eHarmony aus den USA, wurde das Unternehmen 2008 mit Hilfe der Rocket GmbH gegründet. eHarmony selbst stieg schnell bei dem Unternehmen ein mit 33%. eDarling hat mit parship.de und elitepartner.de zu kämpfen. Parship ist der direkte Konkurrent mit dem gleichen Versprechen (wissenschaftlich fundierte Partnersuche). Elitepartner spricht ein anderes Klientel an, die Märkte überschneiden sich jedoch.

Jedoch geht es eDarling dennoch gut, mit 4 Millionen angemeldeten Mitgliedern steht es hinter Parship, welches 9 Millionen Mitglieder verzeichnet. eDarling gerät in die Kritik, weil sie mit 1-Euro-Abbonnements geworben haben, die jedoch eine Menge kosten hinterher gezogen haben (über 900 Euro im Jahr). Schnell wurde die Meinung der User in Internetforen zu eDarling klar, was sich heute noch nachvollziehen lässt, wenn man eDarling bei Google eingibt – auf den vorderen Vorschlägen erscheint „edarling abzocke“.

Das Angebot wurde geändert, viele User haben ihr Geld wiederbekommen. Heute läuft alles seriös ab und eine hohe mediale Präsenz ist die Strategie der Firma. Das zeigen nicht nur die Werbespots, sondern auch die Beteiligung einer Cross-Media Gesellschaft, die Anteile an Online-Magazinen, sowie Printmedien in Norddeutschland hält.

Mybrands

Mybrands war ein Copycat von dress-for-less. Es sollte Markenware zu sehr günstigen Preisen anbieten. Das Konzept wurde jedoch von den Samwer Brüdern fallen gelassen, die Seite ist nun offline. Die Seite war sehr kostspielig, da die Ware durch Eigenkapital vorfinanziert werden musste und die Lagerkosten schnell in die Höhe trieben. Durch das Zugpferd Zalando sahen die Samwer Brüder keine Verwendung mehr für Mybrands, da es nur mäßige Umsatzzahlen einbrachte und auch im Bekleidungsmarkt tätig war. Es wird jedoch überlegt, das Konzept über die weitreichenden Vertriebskanäle von Zalando zu vertreiben. Dies hatte Anja bereits in einem ihrer Post über Zalando erwähnt. Dass das möglich ist, zeigt bereits Amazon, die durch ihr riesiges Vertriebsnetz alle möglichen Nischen besetzen konnten.

Bei jedem, von uns vorgestellten Geschäftsmodellen, gibt es unterschiedliche Ausfallgründe. Insgesamt kann man aber sagen, dass die Samwer Brüder gerade mit den amerikanischen Copy Cats Erfolg haben: SudiVz, Zalando und City Deal.

DealStreet und eCareer sind Klone von Deutschen Vorbildern (Ecareer von Experteer, DealStreet von Swoopo) und brachten nicht den gewünschten Erfolg. Gründe dafür findet man in unterschiedlichen Bereichen.  Zum einen ist es als Unternehmen relativ schwierig einen führenden Anbieter als Neuling vom Markt zu drängen zum anderen fehlt es den Samwer Brüdern vielleicht auch an der nötigen Geduld und Liebe zu ihren Projekten. Man bekommt ein wenig das Gefühl, dass es eher um schnelle Geldmacherei geht, als um wirklich langfristige Geschäftsmodelle. ECareer war laut gründerszene.de eigentlich auf einem ganz guten Weg, doch den Samwer Brüder war dies wohl nicht genug und sie wollten keine weiteren Investitionen tätigen.

Abschließend kann man sagen, Copycats sind eine Gute Sache. Es ist für die Unternehmen auf den ersten Blick einfach: Das Konzept steht und ist schon erprobt. Was kann da noch passieren? Eine Menge!? Fakt ist, nicht jedes Geschäftsmodell kann einfach übertragen werden. Man sollte bei der Anpassung des Geschäftsmodells an neue Märkte ein besonderes Augenmerk legen. Der amerikanische Markt verhält sich anderes als der deutsche und wenn der deutsche schön ähnliche Geschäftsmodelle beherbergt wird es doppelt schwierig sich zu etablieren.

Quellen:

http://www.gruenderszene.de/news/mybrands-geht-offline-%E2%80%93-beginnt-das-copycat-sterben

http://www.gruenderszene.de/datenbank/unternehmen/edarling

http://www.gruenderszene.de/news/edarling-geht-die-puste-aus-minderheitenbeteiligung-seitens-eines-strategen/

http://www.gruenderszene.de/datenbank/unternehmen/ecareer

http://www.gruenderszene.de/news/ecareer-macht-die-pforten-dicht

http://www.gruenderszene.de/datenbank/unternehmen/mybrands

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Kommentare zu: "Es ist nicht alles Gold was Glänzt" (5)

  1. Rene schrieb:

    Ja, ja, die guten alten Samwer Brüder. Vielleicht interessieren euch meine Beiträge.
    http://entrepreneurialwarriors.wordpress.com/2010/12/01/marketing-oder-kartellamt/
    http://entrepreneurialwarriors.wordpress.com/2010/11/18/die-samwer-godfathers/

    Ich sehe auf jeden Fall das Thema VC genauso kritisch wir ihr. Bin gespannt wann die mal auf die Nase fallen…..

  2. yuliyap schrieb:

    Anja, danke für deinen Artikel,

    es wäre auch mal interessant:
    Nach welchen Kriterien haben die Samwerbrüder die Geschäftsmodelle ausgesucht, in die sie investriert haben?

    Da so viele davon erfolgslos blieben: wo lagen die Fehler?

    Du hast ja schon zwei Fehler angegeben:
    1. Die Marktanpassung in Deutschland war nicht Kundenorientiert genug .
    2. Die Wettbewerbssituation wurde unterschätzt .

    Lagen die Fehler vielleicht auch darin, dass sie zu risikobereit und zu schnell mit den Entschiedungen waren?

  3. anjahwr schrieb:

    Was heißt risikobereit? Ich denke die Samwer Brüder versuchen es einfach. Frei nach der Capital Venture Regel, die ich oben schon angebracht habe. Auch beim dem Investitonsverhalten wird dies sichtbar. Ich denke sie orientieren sich an einfachen Kennzahlen am Mart und auf ihr inneres Bauchgefühl. Ein Flop wird durch einen erfolgreichen Exit ausgeglichen. Frei nach dem Motto:Trial and Error Concept.

  4. Ein interessanter Post. Bezüglich der genannten Thematik, wie und warum die Samwer-Brüder bestimmte Geschäftsideen selektieren, in diese investieren, diese fördern und einige – nicht wenige – dann doch relativ schnell fallen lassen, würde ich anmerken, dass es den Unterschied zwischen den sogenannten „Serien“-Gründern und den „Langzeit“-Gründern gibt. Wie ich in meinem Artikel über den Gründer Morten Lund (vom 12.12.2010)aufgezeigt habe, war dieser in seiner Vergangenheit einst ein absoluter Serien-Gründer! Lund investierte in sehr viele verschiedene Neu-Gründungen (seine eigenen oder beteiligend) zur gleichen Zeit und versuchte auf diese Weise, sein Geld zu verdienen – was nicht wenig war. Genauso schnell wie er in zahlreiche neue Startups einstieg, genauso schnell sprang er wieder ab, sobald ihm bewusst wurde, dass sich mit dem einen oder anderen Projekt nicht viel Geld machen ließ bzw. er dort keine großen Wachstumspotenziale sah. Nach einem großen Schicksalsschlag, die eine Art Strafe für zu schnelles Rasen war, kam er zu der Erkenntnis, dass eine langfristige Investition in zwar wenige, aber jedoch aussichtsreiche Gründungen die bessere und tragfähigere Wahl für ihn war. Somit wurde er zum „Langzeit-Gründer“.
    So meine ich, das auch ein bisschen bei den beiden Samwer-Brüdern zu erkennen. Ich sage nicht, dass das, was Morten Lund geleistet hat, die absolute Erfolgsformel für alle Investoren ist, aber man könnte hier eventuell Parallelen ziehen:
    Die Samwer-Brüder, wie Anja und Nora es ja auch schon vermuten, rasen mit voller Geschwindigkeit durch die Gründungslandschaft, und nehmen dabei vielleicht nicht die richtig großen Möglichkeiten wahr, die sie hätten, wenn sie etwas langsamer und achtsamer fahren würden. Wie die beiden Autorinnen dieses Artikels ja bereits erfasst haben, sagen auch einige Kenner der Branche – wie das Webportal „gründerszene.de“ – dass das Samwer-Projekt „eCareer“ doch mehr Chancen auf Erfolg gehabt hätte, als von den Samwer-Brüdern wahrgenommen. Die genauen Details und Hintergründe der Entscheidung der Brüder kennt man zwar nicht, aber hier würde Raum zum einigen Nachdenken und Reflektieren entstehen.
    Ich würde mich Anja und Nora anschließen bei der Beurteilung, dass es den beiden Brüdern vielleicht wirklich etwas an Geduld und Liebe zum Detail bzw. zu einzelnen Projekten fehlt!

  5. Ach ja, und ich habe gerade auch wieder bei dem Besucher unseres Blogs und Gast, Rene (vom Konkurrenz-Blog „entrepreneuralwarriors“ ;)), im obigen Kommentar erkannt, dass auch er munkelt, ob die Investment-Strategien der Samwer-Brüder auf lange Sicht Hand und Fuß haben werden!?.. Hier also die dritte Zweifelsbestätigung! 🙂

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